Schulanfang ein bisschen anders

    Start der Küpser ABC-Schützen - mit Schultüten und Masken

    451 Kinder wurden am Dienstag eingeschult. 31 davon in Küps. Dort starten die Abc-Schützen auf dem Pausenhof – mit Schultüten und Masken.

     „Wer bist denn du? Ich bin deine Lehrerin.“ Stefanie Böhm begrüßt jeden ihrer neuen Schüler. Im Pausenhof. Anders als sonst. Dort winken rot-weiße Absperrbänder schon von weitem. An drei kleinen Pulten ist der Zugang zum Gelände der Grund- und Mittelschule Küps erst einmal beendet. Dort fangen die drei Lehrerinnen der ersten Klassen ihre Schützlinge ab. Erst dann geht’s weiter in die Mitte des Pausenhofs. „Die Schule fühlt sich ein bisschen anders an“, meint Stefanie Böhm. Ihre Augen strahlen über der Maske. Sie schiebt fröhlich hinterher: „Nicht schlechter. Nur eben anders.“ Da kommt der kleine Paul auf sie zu. „Grüß dich lieber Paul. Endlich kenne ich mal jemanden“ – die Lehrerin schiebt ihre geballte Faust zum Gruß in Richtung Paul. Die kleine Hand des Erstklässlers erwidert die Geste. Bis sie sich berühren. Fast wie ein Pakt wirkt das.
    In Zeiten von Corona ist alles eben ein bisschen anders. Sonst, sinniert der Küpser Bürgermeister Bernd Rebhan, sei die Einschulung ein riesiges Event gewesen. Heute habe die Schule darum gebeten, dass nur jeweils ein Elternteil einen Erstklässler begleitet. „Ich kann mich erinnern, dass ein Kind vor zwei, drei Jahren zweimal Oma und Opa dabei hatte, zwei Uromas, Eltern und Paten. Das waren über zehn Leute“, erzählt Bernd Rebhan. Nachdem die Begrüßung der Abc-Schützen am Dienstag aber ins Freie, in den Pausenhof, verlegt wurde, sieht man das mit „nur ein Elternteil pro Kind“ ein bisschen lockerer. Dort stehen die Kleinen mit ihren Schultüten, dahinter wie ein Schutzschild meist Papa und Mama.
    Insgesamt werden im Landkreis Kronach am Dienstag 451 Kinder eingeschult. 31 davon in Küps. Sie werden dort Tiger genannt. Gemeinsam mit den Bären, die ein Jahr älter sind, kommen sie in eine Klasse. Im nächsten Jahr werden dann aus den Tigern Bären. „Die Kleinen lernen bei uns von den Großen“, erklärt stellvertretender Schulleiter Holger Pohl. Seit zehn Jahren gebe es das Angebot der „flexiblen Grundschule”. Das ist ein pädagogisches Modell, bei denen die Klassen 1 und 2 jahrgangsgemischt unterrichtet werden. Die Bären sind deshalb am ersten Schultag der kleinen Tiger auch mit von der Partie. Sie sind für die musikalische Ausgestaltung der Begrüßung zuständig – und machen ihren Job ganz prima. „Alle Kinder lernen lesen. Indianer und Chinesen. Selbst am Nordpol lesen alle Eskimos. Hallo Kinder jetzt geht’s los!“. Das singen die Bären für die Tiger.
    Der kleine Ben, dessen Schultüte fast so groß ist wie er, schaut skeptisch. Auch als der neue Schulleiter Michael Schnappauf meint, dass die Abc-Schützen doch sicher Pippi Langstrumpf kennen. Ihr Motto „Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe“ sollte das Motto der Tiger werden.
    Bens Skepsis begleitet auch die Worte von Rathauschef Bernd Rebhan. Der meint, dieses Schuljahr sei zweifelsohne etwas Besonderes. Die Rahmenbedingungen seien durch Corona anders. „Aber wir freuen uns, dass Schule überhaupt wieder beginnen kann.“ Besonders sei in Küps auch, dass man nun ein neues Schulleiter-Team mit Rektor Michel Schnappauf und seinem Stellvertreter Holger Pohl habe. Neu sei zudem das Mobilitätskonzept des Landkreises. Der Schulbus sei nun Teil des Öffentlichen Personennahverkehrs. Das habe es vorher noch nie gegeben. „Da kam es heute wohl zu ein paar Verspätungen. Ich selbst habe zwei Kinder bei der Sparkasse stehen sehen. Da hab’ ich gleich selbst Busfahrer gespielt und habe sie mit hochgenommen“, erzählt Bernd Rebhan. Doch das System werde sich sicher einspielen.
    Stefanie Böhm, die Lehrerin mit Sonnenschein-Qualitäten, ergreift das Wort: „Was gehört in eine Schultüte? Etwas Süßes, damit geht alles ein bisschen leichter. Und ein Lachen würde ich euch da reinpacken. Ich hoffe, wir haben oft Gelegenheit zusammen zu lachen.“
    Bens Augen über der Maske blicken gleich ein bisschen fröhlicher in die Welt. Zusammen mit seiner Schultüte macht er sich dann auf den Weg in sein Klassenzimmer – zum ersten Mal als Tiger.

    Pressebericht von Bianca Hennings

     

    Foto: Anja Barthen
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